Erstmals gesteht die Post „lokale Probleme“ bei der Zustellung ein

Geschäft Warten auf Briefe und Pakete

Erstmals räumt die Post «lokale Probleme» bei der Zustellung ein

Birger Nikolai

Zusteller sind für Briefe und Päckchen zuständig Zusteller sind für Briefe und Päckchen zuständig

Personalmangel führt vor allem in Ballungsgebieten zu Problemen bei der Zustellung von Briefen und Päckchen

Quelle: pa/dpa/Deutsche PR/Monika Skolimowska

Zu viele Pakete, Personal in Quarantäne – im Grunde zu wenig Personal. Mancherorts wird nur noch jeden zweiten Tag beliefert – und das nur dank eines Notfallplans. Es gibt ein Problem bei der Post. Und das noch kurz vor Weihnachten.

BVor allem in Berlin ist das seit Wochen ein Problem in den Haushalten. Aber auch in anderen Ballungsgebieten fällt beim Blick in den Briefkasten auf, dass die Post nicht jeden Tag kommt.

Mal werden einzelne Straßen oder Straßenseiten aufgegeben, mal ist die Briefpost in Zustellbezirken komplett betroffen. Nach wochenlangen Reklamationen und Kundenbeschwerden spricht die Deutsche Post nun erstmals offen über „lokale Probleme“ bei der Zustellung.

Gründe dafür sind das hohe Aufkommen an Paketen und Briefen – oft zusammen zugestellt – sowie der sehr geringe Personalbestand. Dazu sollen den Daten zufolge auch besonders viele Corona-Erkrankungen bei den Zustellern beitragen. Deshalb operiert der Postkonzern in einigen Zustellgebieten jetzt mit einem sogenannten Notfallplan.

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Ein Postbote liefert am 6. Mai 2009 in Köln Briefe aus.  Die Deutsche Post verzeichnete im ersten Quartal einen Umsatzrückgang, sieht die Talsohle aber erreicht.  Im ersten Quartal 2009 sank der Umsatz von 15,75 auf 11,5 Milliarden Euro.  Hintergrund war ein beispielloser Nachfrageeinbruch über alle Branchen und Sektoren hinweg.  Foto: Oliver Berg dpa/lnw +++(c) dpa - Bericht+++

„Notfallpläne sind mit der zuständigen Bundesnetzagentur abgestimmt und Zustellungen nur jeden zweiten Tag erlaubt“, sagte Thomas Schneider, Bereichsleiter Betrieb bei Post und Paket Deutschland, in einer aktuell anberaumten Telefonkonferenz. In manchen Städten werden einige Häuser derzeit nur jeden zweiten Tag angerufen. Das vorhandene Zustellpersonal ist für das Brief- und Paketaufkommen nicht ausreichend.

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In welchen Bereichen ein solcher Notfall besteht, sagte der Manager nicht konkret. Als „Hotspot“ wurde dafür Berlin genannt, ansonsten sei die Postzustellung in vielen Ballungsgebieten eingeschränkt. Vorlieben nicht angegeben.

In betroffenen Gebieten sei die „Rekrutierung von Zustellern“ schwierig, heißt es in der Post. Rückblickend war es ein Fehler, Notfallpläne so spät umzusetzen. „Wir möchten uns bei unseren Kunden dafür entschuldigen, dass wir ihnen nicht den gewohnten Service bieten können“, sagte Schneider.

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Die Postleitung sagte, das Postaufkommen an einzelnen Tagen sei nicht zu bewältigen. Die Zahl der Pakete für Oktober “übertraf die Erwartungen”. Gleichzeitig ist die Krankheitsrate höher als in anderen Jahren. Die Situation ist sehr volatil. Das Management ist jedoch zuversichtlich, dass die Situation unter Kontrolle sein wird.

Neueinstellungen, Aushilfen, Aushilfsjobs und solche aus Übersee sollen helfen, den Stau an Briefen und Paketen in den kommenden Wochen aufzuarbeiten. Die Post hat auch eine „Rapid Response Force“ aus Postangestellten eingerichtet, um vorübergehend in betroffenen Gebieten zu helfen. Rund 100.000 Mitarbeiter arbeiten derzeit im Zustellbereich des Bonner Konzerns.

Erstmals hat die Postleitung eingeräumt, dass Probleme für die verspätete Ankunft von Briefen verantwortlich waren. Es ist üblich, dass 80 Prozent der täglichen Briefe den Empfänger einen Tag nach der Postaufgabe erreichen – so wie es der Gesetzgeber vorschreibt.

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Gemäss der Schweizerischen Post lag diese Quote letztes Jahr bei 89 Prozent. „Im ersten Halbjahr 2022 waren wir noch auf diesem Niveau, aber im zweiten Halbjahr waren es zwischen 83 Prozent und 84 Prozent“, sagte der Manager Schneider. Kommt es zu Störungen, zum Beispiel durch fehlendes Zustellpersonal, werden Pakete bei der Post vorrangig behandelt. „Dadurch verlangsamen sich die Briefe automatisch“, sagt Manager Schneider. Pakete können nicht ohne Weiteres gelagert oder gepuffert werden, also „Vorrang vor Briefen“.

Es wird berichtet, dass zwar Mitarbeiter für die Postzustellung eingestellt werden, diese aber nicht in der Lage sind, genügend Mitarbeiter zu finden. In den letzten Wochen gab es fast 3.000 Anpassungen. Mit Blick auf die gesamte Beschäftigung in Süddeutschland sagte beispielsweise Postleiter Schneider: „Wir haben Spannungen auf dem Arbeitsmarkt. In den Weihnachtswochen müssen Zusteller der Verwaltung bei der Zustellung von Briefen und Paketen helfen.

Die Probleme verteilen sich unterschiedlich auf die Wochentage. Bei der Paketpost sind besonders die Zustellungen am Montag betroffen, da Bestellungen ab dem Wochenende aus den großen Lagern von Online-Händlern wie Amazon in die Paketzentren der Post rollen.

Die Post stellt an diesem Werktag bis zu elf Millionen Pakete zu. Auch Postboten müssen Pakete ab einer bestimmten Größe zustellen. Langfristig wird auch die Post viele Veränderungen erfahren. Hohe Schwankungen, insbesondere im Paketaufkommen, erfordern eine veränderte Arbeitsorganisation. Die Post müsse neue und nachhaltige Lösungen für ihr Zustellproblem finden, sagte Nicola Hagletner, die im Vorstand der Post-Gruppe dafür zuständig ist.

Die anstehende Postgesetznovelle soll Änderungen bringen. „Wir brauchen mehr Flexibilität bei den Konditionen“, sagte der Manager. Die Zustellung am nächsten Werktag für fast alle Briefe könnte bald der Vergangenheit angehören.

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