Heftiger Quoten-Einbruch für Fußball-WM in Katar: 50 Prozent weniger als 2018

50 Prozent weniger als 2018
Die Katar-Weltmeisterschaft leidet unter einem ernsthaften Einbruch der Einschaltquoten

Normalerweise ist kein anderes Fernsehprogramm so beliebt wie die Live-Übertragung großer Fußballturniere. Doch die WM in Katar erlebt in Deutschland einen beispiellosen Einbruch der Quoten. Experten sehen verschiedene Gründe.

Die Daten sind für ARD und ZDF deprimierend. Die Zuschauerzahlen bei der Weltmeisterschaft in Katar sind so niedrig wie nie zuvor. Nach der ersten Qualifikationsrunde ist die Zwischenbilanz eindeutig: mehr als minus 50 Prozent im Achtelfinale im Vergleich zur WM 2018 in Russland.

Es ist eine ferngesteuerte Abstimmung – nicht gegen die Sender, sondern gegen die WM. Schon in der Qualifikationsrunde zeigten Zahlen der AGF Videoforschung die Gleichgültigkeit und Boykottstimmung vieler Fußballfans. Im Durchschnitt sahen nur 4,802 Millionen Livestreams von Gruppenspielen in ARD und ZDF, gegenüber 9,254 Millionen vor vier Jahren.

Nach dem Ausscheiden der deutschen Mannschaft fällt das Minus im ersten Abschnitt der Qualifikationsphase noch deutlicher aus: 4.775 statt 9.977. „Viele sind konsequent geblieben“, kommentierte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. „Wenn man es länger als ein paar Wochen betrachtet, sind die Zahlen immer noch phänomenal, und das gilt auch für ein jüngeres Publikum“, sagte Balkausky. Immerhin war das 6:1-Spiel Portugals gegen die Schweiz am Dienstagabend mit 5,82 Millionen Zuschauern die meistgesehene Sendung des Tages. Millionen schauen also weiter zu – nur deutlich weniger als zuvor.

“Diese Weltmeisterschaft ist ein spaltender Faktor. Sie polarisiert.”

Live-Übertragungen von großen Fußballturnieren haben ein Niveau erreicht, das kein anderes Format jemals zu bieten hat. 2018 hatten die WM-Spiele der deutschen Mannschaft durchschnittlich mehr als 25 Millionen TV-Zuschauer. Aber in den drei Spielen dieser WM lag der Wert nicht einmal bei 15 Millionen.

Medienwissenschaftlerin Jana Wiske erklärt die Gründe für den Quotenrückgang: „Eine hektische Vorsilvester-WM schafft nicht die Fußballatmosphäre, die zum Beispiel im Sommer mit vielen Public-Viewing-Möglichkeiten im Freien gedeiht. „Zudem lehnen aus Sicht des Professors an der Hochschule Ansbach viele Menschen „diese Form der Überkommerzialisierung des Fußballs immer mehr ab: Die Summe der Klagen rund um die WM in Katar und die zweifelhafte Rolle der Fifa war überwältigend Bei der Mehrheit der Fußballfans ist die Boykotthaltung wirklich tief verwurzelt.”

Ähnlich denkt der Kölner Medienexperte Christoph Bertling. „Normalerweise sind Fußballweltmeisterschaften aneinander gebunden, sie gelten als große gesellschaftliche Lagerfeuer“, sagte der Wissenschaftler von der Sporthochschule Köln. Aber “diese Weltmeisterschaft ist ein spaltender Faktor. Sie polarisiert.” Als Hauptgründe nennt er „ungewöhnliche Sendezeit im Winter, zu starke Politisierung und fehlende öffentliche Überwachung“.

Digitale Angebote von ARD/ZDF steigen in der Zuschauerzahl, können aber den Rückgang des klassischen Fernsehens nicht ausgleichen. Daten von öffentlich-rechtlichen Sendern für Internet und Mediatheken lassen sich zwar nicht direkt mit TV-Zahlen vergleichen, aber ARD-Referent Balkausky rechnet vor, dass bei deutschen Spielen durchschnittlich 2,5 Millionen zusätzliche Zuschauer online sind. Andererseits fehlen in diesem Jahr unzählige Millionen, die bei öffentlichen Auftritten feiern und bei Sommerturnieren die Spiele verfolgen. Diese WM-Zuschauer tauchen auch nicht in den TV-Zahlen der AGF Videoforschung auf.

(Dieser Artikel wurde erstmals am Mittwoch, den 07. Dezember 2022 veröffentlicht.)

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