Qualcomm Snapdragon 8 Gen 2: Erste Benchmarks deuten Leistungssprung an

Mit überarbeiteter Grafikeinheit und schnelleren und neu angeordneten Prozessorkernen ist der Snapdragon 8 Gen 2 das bisher schnellste System-on-Chip (SoC) von Qualcomm. Die ersten Tests, die Heise online auf dem Snapdragon Summit 2022 durchführen konnte, bestätigen die von Qualcomm genannten Leistungssprünge. Allerdings liegt der neue Prozessor nicht nur hinter seinem direkten Vorgänger. Auch der Vorsprung gegenüber Apple wächst in gewissen Bereichen.

Für Benchmarks stand das Qualcomm Reference Design (QRD) zur Verfügung. Dabei handelt es sich um ein eigens für Tests entwickeltes Smartphone mit Snapdragon 8 Gen 2. Mit einer Bildschirmauflösung von 2400 × 1080 Pixeln, 12 GB LPDDR5X RAM und Android 13 ist am QRD nichts Ungewöhnliches. Aufgrund möglicher unbekannter Optimierungen können die Messwerte jedoch nicht unbedingt 1:1 auf die Smartphones der zukünftigen Serien übertragen werden.

Qualcomm spricht von bis zu 35 Prozent besserer CPU-Leistung im Vergleich zum Snapdragon 8 Gen 1. Unklar ist jedoch, welche Einzelmaßnahmen für diesen Anstieg verantwortlich sind. Denn viele technische Details hat das Unternehmen nicht preisgegeben. Unklar ist unter anderem, wie groß die Caches sind und welche Änderungen es bei den CPU-Kernen im Vergleich zu ARMs Standardmodellen gibt.



Im ersten Test wurde das Referenz-Smartphone von Qualcomm verwendet. Die Leistung von Smartphones späterer Serien dürfte sich entsprechend unterscheiden.

Qualcomm nannte nur die CPU-Modelle und maximale Taktraten. Der Primärkern (ARM Cortex-X3) erreicht 3,19 GHz, vier Performance-Kerne (zwei ARM Cortex-A710 und -A715) 2,8 GHz und drei Effizienzkerne (ARM Cortex-A510 Refresh) rechnen mit einer maximalen Frequenz von 2 GHz. Aber nicht nur die bei jeder Leistungsstufe höhere maximale Taktfrequenz und der Einsatz neuer Kerne dürften sich auf die Gesamtleistung auswirken. Ein zusätzlicher Leistungskern – beim Snapdragon 8 Gen 1 waren es nur drei – soll ebenfalls für Schub sorgen.

Im CPU-Benchmark von Geekbench ist die Single-Core-Performance des Snapdragon 8 Gen 2 um fast 21 Prozent besser als bei der ersten Generation. Im Vergleich zur beschleunigten neuen Snapdragon 8+ Gen 1-Version beträgt das Plus immer noch knapp 14 Prozent. Noch größer ist der Vorsprung bei der Multicore-Performance. Im Vergleich zum Snapdragon 8 Gen 1 ist das neue Modell 42 Prozent schneller, im Vergleich zum Snapdragon 8+ Gen 1 immerhin noch 25 Prozent schneller.



Der Qualcomm Snapdragon 8 Gen 2 übertrifft seinen Vorgänger in puncto CPU-Leistung deutlich, aber Apple hat wieder einmal die Nase vorn.

Im Vergleich zu Apple muss sich der neue Mobilprozessor von Qualcomm aber erneut geschlagen geben. Der Bionic A16 mit insgesamt sechs Prozessorkernen, der beispielsweise im iPhone 14 Pro (Test) zu finden ist, bietet eine um 26 Prozent bessere Single- und 5 Prozent bessere Multi-Core-Performance. Und selbst der Bionic A15 übertrifft den Snapdragon 8 Gen 2 nur bei Nutzung aller Kerne.

Ironischerweise kann die wichtigste Änderung der Grafikeinheit nicht bewertet werden. Denn Benchmark-Programme, die die Raytracing-Leistung bewerten könnten, waren zum Zeitpunkt des Tests noch nicht verfügbar. Die mit einer realistischeren Lichtstrahlberechnung einhergehenden Leistungseinbußen müssen daher durch nachfolgende Messungen an Smartphones der Serie nachgewiesen werden.

Obendrein spricht Qualcomm von 25 Prozent besserer Grafikleistung und bis zu 30 Prozent bei Verwendung der Low-Level-Vulkan-Grafik-API. Wie es zu diesen Erhöhungen kommt, ist unklar. Denn Qualcomm macht keine technischen Angaben zur Adreno-Grafikeinheit.



Die Grafikeinheit Snapdragon 8 Gen 2 wird Ende 2022 die schnellste in Smartphones erhältliche sein.

Im Grafikvergleich liegt die Leistung des GFXBench Snapdragon 8 Gen 2 in allen drei Testszenarien rund 40 Prozent über dem Vorgänger. Auch der Snapdragon 8+ Gen 1 ist langsamer: Der neue Chip schlägt ihn um etwa 25 Prozent. Anders als bei der CPU-Leistung liegt Qualcomm in diesem Bereich deutlich vor Apple. Der Vorsprung gegenüber der GPU des Bionic A16 beträgt je nach Szenario 27-48 Prozent. Allerdings ist zu beachten, dass sich die Leistungsanforderungen der drei GFXBench-Tests auf ein 1920×1080-Pixel-Display beziehen. Die tatsächliche Leistung bei nativer Auflösung kann abweichen.

Zur Messung der Systemleistung stand die 3DMark-Suite zur Verfügung. Hier spielt neben CPU und GPU auch der Arbeitsspeicher eine Rolle. Im Vergleich zum Vorgänger erreichte der Snapdragon 8 Gen 2 im Wildlife-Extreme-Test eine um 50 Prozent bessere Wertung. Im Vergleich zum Snapdragon 8+ Gen 1 beträgt das Plus immer noch 35 Prozent. Apple landet wie im Vorjahr hinter Qualcomm.



Im 3DMark belegt der Qualcomm Snapdragon 8 Gen 2 nicht zuletzt wegen seiner Grafikeinheit den ersten Platz. Smartphones, die mit dem Chip ausgestattet sind, sollten mehr als genug Leistung für Spiele bieten.

Noch deutlicher sind die Vorteile gegenüber dem zwei Jahre alten Snapdragon 888. Im Vergleich dazu erreicht der neue Prozessor eine um mehr als 150 Prozent bessere Leistung.

Zumindest auf einem Custom-Test-Smartphone bietet der Snapdragon 8 Gen 2 eine deutlich bessere CPU- und Grafikleistung als sein Vorgänger und dessen beschleunigte Version. Es bleibt abzuwarten, was mit dem Nutzer passiert. Nicht zuletzt Snapdragon 8 Gen 1 hat gezeigt, dass es je nach Smartphone eine große Leistungsspanne gibt. Ausschlaggebend ist am Ende nicht nur die spezielle Hardware in Form von Arbeitsspeicher und Bildschirmauflösung, sondern auch die Anpassung der Software. Wichtig ist auch die Temperierung, also die Kühlung. Bei den ersten Tests sank die Leistung unter längerer Volllast teilweise um etwa 5 Prozent.

Im Vergleich zu Apples SoC Bionic A16 profitiert Qualcomm von einer stärkeren Grafikeinheit. Bei der CPU-Leistung kann Snapdragon jedoch nicht mehr mithalten. Hier profitiert Apple wieder von seinem eigenen Core-Design. Stattdessen beschränkt sich Qualcomm weitgehend auf das, was ARM vorgibt.

Das MediaTek Dimensity 9200 hat auch eine große Unbekannte. Der Anfang November 2022 vorgestellte Prozessor nutzt eine andere CPU-Struktur und eine andere Grafikeinheit als der Snapdragon 8 Gen 2. Laut MediaTek soll er seinen Vorgänger aber um etwa 10 bzw. 30 Prozent (CPU, GPU) übertreffen. Damit gehört es zur Snapdragon 8 Gen 2-Reihe.


(pb)

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